Taste of Timisoara

et oui, la suite…

November 2nd, 2009

Ja, Asche auf mein Haupt, kaum wird die Uni / Arbeit  etwas stressiger, leidet mein lieber Blog. Aber ich sag’s ja: besser so, als dass ich traurig, einsam und gelangweilt nichts anderes zu tun hätte als hier zu schreiben.

Nun ja, quoi de neuf? Soweit alles gut, die Arbeit macht Spaß, auch wenn das Vorbereiten der Veranstaltungen immernoch sehr viel Zeit einnimmt. Mittlerweile ist es auch richtig kalt und herbstlich geworden. Meine kalkleistige Haut ist keiner Verbrennungsgefahr mehr ausgesetzt. Ich finde das aber auch ganz gut. Wenn man daran gewöhnt ist, dass es Ende Oktober kalt wird, man sich normalerweise über jede heiße Schokolade im Warmen freut und von fern schon auf die Feuerzangenbowle schielt, dann hat es auch nicht mehr über 20 Grad warm zu sein draußen, so!

Die Stadt entdecke ich immer mehr und sammle fleißif Orte und Cafés, die ich mit Euch, meine lieben zukünftigen BesucherInnen gerne besuchen möchte. Ein bisschen Anschluss an die French-Community habe ich auch gefunden und mich beim Kultuzentrum eingschrieben. Ein bisschen Lektüre französischer Zeitungen und Bücher und der ein oder andere französische Film tun zuweilen ganz gut. Es gibt auch einen französischem Lektor, der - als ich ihm meine tolle Visitenkarte in die Hand drücke - (bin immernoch stolz wie Oskar, dass ich sowas jetzt erstmals in meinem Leben habe ;-) , anfing rumzunörgeln , dass er nicht die Marianne auf seiner Visitenkarte haben dürfe und dass er deswegen gar keine wolle und der französische Staat ihm auch keine bezahle, was skandalös sei und sowieso und überhaupt. Ja, dafür lieben wir sie doch, nicht war?;-) Hätte nur noch gefehlt, dass hier auch sowieso das Wießbrot nicht schmeckt. Aber das kann man nicht sagen. Rumänisches Brot ist super. Vielleicht liegt meine Begeisterung auch daran, dass ich ein Jahr auf der Insel war, wer weiß…
Trotz meiner Freude über die Präsenz der Franzosen bin ich immernoch sehr motiviert, Rumänisch zu lernen. Was man so hört, stimmt wohl auch (zumindest soweit ich das beurteilen kann…): das Vokabular ist sehr romanisch und deswegen nicht das Riesenproblem. Letzteres ist eher die Grammatik. Holla die Waldfee! naja, ich bleibe dran. Immerhin verbessert sich meine Kommunikation mit den Taxifahrern. Als ich am Freitag zu in einer Herzensangelegenheit ins schöne Münster fliegen wollte und deswegen mit dem Taxi zum Flughafen musste, verstrickte mich der Fahrer in eine geradezu philosophische Diskussion. Ich hatte auf Rumänischen sagen können, dass ich profesoara an der Uni din Stiinte Politice sei, da fing er an: “Politik, Religion und Geld behindern den Fortschritt der Zivilisation.” Naja, war ganz kurzweilig die Fahrt….:-)

Nächstes Wochenende fahre ich nach Serbien zu einem Treffen der Lektoren aus den Balkanländern und Rumänien. Ich hoffe, mein Bericht davon lässt nicht wieder 3 Wochen auf sich warten, bitte aber um Nachsicht. Mit dem Multitasken hab ichs nicht so, dass wisst Ihr ja. ;-)

Sonnenbrand Anfang Oktober, ein Auto voller Gemüse und eine Taxifahrt mit Wäscheständer

Oktober 10th, 2009

Seit meinem letzten Eintrag ist schon ein bisschen Zeit vergangen, ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass das Semester begonnen hat und ich in der ersten Woche damit zu kämpfen hatte, meine Lehrveranstaltungen vorzubereiten, Räume zu suchen, Beamer zu organisieren (und nicht zu bekommen), usw. Aber trotz ein bisschen Nachtarbeit und der dazugehörenden Portion Nervosität hat eigentlich alles ganz gut geklappt bei meiner ersten Vorlesung und in den Seminaren!Die Studis sind vom ersten Eindruck her nett und zugänglich (bis auf ein paar blöde Ausnahmen, aber die gibt’s ja überall). Und sie sprechen wirklich super deutsch, chapeau! (@FIFAs: Deutlich besser als einige FIFA-feindliche FIFAs, die hier natürlich nicht namentlich genannt werden ;-)

Die Unterrichtsvorbereitung nimmt ziemlich viel Zeit ein, macht aber auch in weiten Teilen großen Spaß. So kommt man auch selbst nochmal dazu, einiges zu wiederholen, das ist ganz gut.

Mein Leben hier in Timisoara wird auch vielseitiger und ich entdecke immer wieder nette und zum Teil skurrile Dinge. Gestern Abend zum Beispiel war ich mit einer Bekannten auf einem Konzert in der Philharmonie (beachte: “Filharmonie” auf Rumänisch, das ist echt süß, hier gilt echt die Regel, schreib so, wie Du sprichst). Also ein Konzert…und danach waren wir in einem sehr netten kleinen Restaurant, wohin ich jeden, der mich besuchen kommt, auf jeden Fall hinschleppen werde. :-) Im Anschluss kamen wir an einem Marktplatz vorbei, wo jeden Tag ein Markt abgehalten wird. Und einige der Verkäufer verbringen die Nacht zusammen mit ihren Waren schon an Ort und Stelle. So kamen wir an einem alten Dacia vorbei, auf dessen Dach zwei Riesensäcke rote Paprika befestigt waren. Auch sonst war das ganze Auto mit Ausnahme des Fahrersitzes, auf dem der Fahrer schlief auch voll mit Paprika. Was man da wohl träumt, betört vom Duft der roten Schoten. Sah sehr lustig aus, leider hatte ich keine Kamera dabei.

Eine weitere Sehenswürdigkeit - oder besser Trinkenswürdigkeit - ist das lokale Bier aus Timisoara. Letzten Sonntag hatte mein Chef zwei Kollegen und mich dahin eingeladen. Wir saßen in der Sonne und  ich habe mir doch echt - am 4-Oktober! - einen Sonnenbrand geholt. Nicht schlimm, aber schon witzig. Auch sonst ist es noch etwa 25 Grad warm und hat zumindest tagsüber noch nicht geregnet in den 3 Wochen seit ich hier bin.Ende Oktober soll, so wurde mir berichtet, der plötzliche Umschwung mit einem 20 Grad Temperatursturz innerhalb von 3 Tagen kommen. Mal sehen.

Heute habe ich es endlich mal geschafft, zu einem Charakteristikum der meisten Städte in Osteuropa zu fahren: einem westeuropäischen Riesensupermarkt auf der grünen Wiese. Man fragt sich ein bisschen wer das alles kaufen soll, was dort angeboten wird, aber naja. Ich hab auch richtig zugeschlagen, um mein neues Heim mit Wasserkocher und Wäscheständer noch ein bisschen heimeliger zu machen. Statt mit dem neu erworbenen Hausstand von der grünen Wiese zurück nach Hause zu laufen, habe ich ein Taxi genommen. 6 km für umgerechnet 1,5 Euro. Man gewöhnt sich viel zu schnell an diese Dekadenz des Taxifahrens. Aber nein, normalerweise laufe ich schon die meisten Strecken, die Stadt ist auch eine ganz angenehme Fußgängerstadt. Leider weiß ich noch nicht, wo ich die Wäsche, mit der ich meinen Wäscheständer behängen kann, waschen soll. Dies mit der Concierge zu klären wird angesichts meiner Sprachkenntnisse etwas schwierig werden…Aber der kurti wächst mit seinen Herausforderungen! (Hoffentlich nicht zu sehr in die Breite - angesichts von billiger und sehr guter Pizza- und Crêpeshütte 2 Minuten von meiner Wohnung…;-)

Mein Rumänischunterricht hat letzte Woche begonnen. Wenn ich brav vor-, mit- und nachbereite (wie ich meinen Studis predige, aber eigentlich selbst auch nie gemacht habe…), kann ich da bestimmt viel lernen. Die Lehrerin ist auf jeden Fall sehr gut und unsere kleine Vierer-Gruppe auch ein ganz netter Haufen.  Allgemein sprechen die Leute hier ziemlich schnell und relativ undeutlich, ich bin mir daher nicht sicher, ob ich dorthin kommen werde, die Nuschelrumänen des Alltags (speziell Taxifahrer und Kioskverkäufer) auf Anhieb zu verstehen. Mal sehen. Bisher lerne ich noch die Konjugation von ” a fi”, “sein”: “eu sunt, tu este, el/ea este, noi suntem, voi sunteti, ei/ele sunt.” Kommt einem doch ein bisschen bekannt vor, oder? Das lässt hoffen…;-)

“Generation 89″

Oktober 1st, 2009

Hier kommt der Link zu einem ganz interessanten Beitrag über “die jungen Rumänen” - wenn man das denn so sagen kann. Eigentlich sind die meisten Etikketierungen als “Generation xy” ja nicht besonders passend. By the way, zu welcher gehören wir denn eigentlich??? Diese Frage wird später beantwortet…Guckst Du erstmal:
http://www.mdr.de/windrose/6702143.html

“Kompetent und erfolgreich”, hmm…vom Alter her gehört ja auch ein Teil meiner Studis zu dieser Generation. Ich bin schon gespannt, herauszufinden wie die so drauf sind. In einer knappen Woche beginnt der Unterricht!

Invat acum romaneste!

September 30th, 2009

(Ich lerne jetzt rumänisch.)
Heute habe ich mein erstes Treffen mit meiner Rumänischlehrerin. Ich bin mal sehr gespannt. Und ich hoffe, bald soweit zu sein, annähernd in ganzen Sätzen (wenn auch sehr einfachen) mit den Menschen sprechen zu können. Meine jetzige Art der Kommunikation, wenn mein Gegenüber kein Englisch oder Französisch kann, besteht darin, mit dem Finger auf das zu zeigen, was ich haben möchte und dabei um Verständnis bittend zu lächeln. Auf die Dauer ist das ja nicht so toll. Ich war aber vorher auch noch nicht länger in einem Land, wo ich die Sprache gar nicht konnte, vielleicht sollte ich auch mal nicht ungeduldig werden. Und bei allen wichtigen Dingen stand mir bisher auch immer jemand von meinen Kollegen zur Seite, ich kann mich also wirklich nicht beschweren. :-)
Trotz meiner allgemein eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit, geht meine Entdeckungstour weiter. Hoffentlich kann ich auch bald ein paar Fotos davon hochladen. Hab’s schonmal versucht, aber da waren die zu groß.

nach einer Woche

September 27th, 2009

Nach einer aufregenden 20 Stunden Zugreise von Hannover über München, Budapest und Arad kam ich vor einer Woche hier in Temeswar an. In Deutschland hatte ich mich schon voller Wehmut vom Sommer 2009 verabschiedet, hier scheint er aber noch lange nicht zuende zu sein. Etwa auf einer geographischen Breite mit Mailand gelegen, hat Temeswar auch Ende September noch sommerliche 25-30 Grad. Vieles spielt sich daher draußen ab, es gibt sehr viele Straßencafés und Terrassen und in den außerordentlich schönen Parkanlagen und auf den zwei Hauptplätzen der Stadt (Fotos folgen hoffentlich in Kürze), sitzen die Leute, essen Eis und füttern die zahlreichen Tauben. Für jemanden wie mich, aus dem norddeutschen Morast ist das alles sehr südländisch und schön.

Ich wohne in einem Dozentenwohnheim im Studentenviertel der Stadt. Etwas zu meinem Leidwesen finden auch die Nachtaktivitäten der Studis vornehmlich im Freien statt, so dass es manchmal etwas laut ist. Aber sonst fühle ich mich sehr wohl und bin eigentlich auch froh, nicht abgeschieden und alleine sondern mitten im trubeligen Studitreiben zu wohnen. Mein Zimmerchen nimmt auch immer persönlichere Formen an und der Kühlschrank füllt sich; ein gutes Zeichen dafür, dass man sich langsam einlebt. Bei Gelegenheit muss ich mich auch mal bei jemandem, der sich mit sowas besser auskennt danach erkundigen, inwiefern es Sinn ergibt, Joghurt, Käse, Nudelsauce usw., die auch in Rumänien produziert werden, mehr als 1000 Kilometer quer durch Europa zu karren…jedenfalls hätte ich nicht damit gerechnet, in einem rumänischen Supermarkt vor original eingeschweißten westfälischen Pumpernickeln zu stehen. (Ich dachte, dem wäre ich gerade entkommen…;-) Abgesehen von solchen Merkwürdigkeiten kann ich bisher aber uneingeschränkt für das rumänischen Gemüse und Obst werben! Ich hatte fast vergessen, dass Tomaten wirklich einen Eigengeschmack haben. Veggie-kurti ist also hoch zufrieden, was das angeht. :)

Die nächsten Herausforderungen bestehen jetzt darin, Rumänisch zu lernen und mit der Arbeit an der Uni richtig anzufangen. Es bleibt also spannend… (Wenn nicht für die LeserIn, dann zumindest für mich ;-)

los geht’s…

September 15th, 2009

Spontan habe ich mich dazu entschieden, einen Blog einzurichten! Diese Form der Kommunikation mit der großen weiten Welt fühlt sich noch etwas fremd an, aber ich versuche es einfach mal…
Am Samstag breche ich in den Westen Rumäniens auf, nach Timisoara, um dort voraussichtlich ein Jahr lang zu leben und an der Uni zu arbeiten.

Außer einer durch viele ausnahmslos positive Aussagen über diese Stadt bestärkten Vorfreude, einer großen Angst vor herrenlosen Hunden und sehr rudimentären Rumänischkenntnissen habe ich noch keine so genaue Vorstellung davon, was mich erwarten wird. Aber es verspricht spannend zu werden…



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